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Wertschöpfung hat Vorrang vor Arzneimittelsicherheit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Barbara Grün   
Montag, 27 November 2006
Auf der Mitgliederversammlung des Verbandes der deutschen Arzneimittelhersteller (VfA) hat sich Roland Koch durch eine gesundheitspolitisch ungemein qualifizierte Äußerung hervorgetan. Er unterstellte dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen "beachtlichen Eifer", die Innovationsdichte in Deutschland zu vermindern. 

Langfristig nähme dadurch die Wertschöpfung in Deutschland Schaden. Innovationen müssen nämlich rasch eingeführt werden, damit Deutschland ein interessanter Ort für die Industrie wird.

Dieses Wertschöpfungsdenken über die Arzneimittelsicherheit zu stellen, ist ebenso typisch wie zynisch. Das IQWIG ist immerhin eine durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz geschaffene, legitime und vor allem: Industrie-unabhängige Institution, die Arzneimittel streng nach den Kriterien evidenzbasierter Medizin, d.h. nach tatsächlicher Studienlage, beurteilt. Und da fällt die Bewertung so mancher Blockbuster der Pharmaindustrie eben nicht so rosig aus, wie es die Hochglanzprospekte der fachwelt suggerieren.

Wie sich auch jeder Laie denken kann, liegen für Innovationen in der Regel nur wenige Studiendaten vor. Das Risiko, dass in der Phase IV der Zulassung dieser Arzneimittel, nämlich ihre Verordnung für das allgemeine Publikum, sich negative Auswirkungen bemerkbar machen, die zuvor von keiner Studie erfasst wurden, ist nicht unbeträchtlich. Gerade bei Arzneimitteln ist bei Innovationen stets Vorsicht geboten: unbekanntes Risiko bei nicht selten nur marginalem Nutzen gegenüber bereits vorhandenen Wirkstoffen. 


Kommentar(e)
R. Koch Originalzitat lt Ärztezeitung:
Geschrieben von bgruen am 2006-11-27 14:25:03
"Forschung muß sich am Markt bewähren, nicht bei einem Institut." Das ist doch die Krönung! "am Markt" = am lebenden Patienten!  
Über die Qualität dieses Marktes spricht die bereits erwähnte Gründung der Initiative "Mein Essen zahl ich selbst" doch bereits Bände! Das IQWIG ist in diesem Zusammenhang wirklich als eine Art Verbraucherschutz anzusehen, das den Ärzten (und den Krankenkassen)unabhängige Entscheidunghilfen und Bewertungen vorlegt. Die Desinformation der Pharmaindustrie macht eben auch vor den sog. "Fachkreisen" nicht halt. Studien mit negativem ERgebnis werden erst gar nicht veröffentlicht, andere Studien werden geschönt, es wird gegen Placebo getestet anstelle eines bereits eingeführten, bewährten Mittels, oder die Vergleichssubstanz wird falsch dosiert .... ja genau dies überprüft das IQWIG, weil kein Arzt und schon gar kein Laie diesen Dschungel überblicken kann. 
 

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