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Zensurvorwürfe im Amoklauf von Emsdetten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ronald Woelfel   
Mittwoch, 22 November 2006
In einer Mailingliste des Chaos Computer Clubs reisen die Zensurvorwürfe gegenüber den Ermittlungsbehörden im Fall des Amoklaufs von Emsdetten nicht ab. Alle Spuren des Täters (in Form von Beiträgen in öffentlichen Foren) müssen offenbar verwischt werden. Über die rechtliche Grundlage, jedoch nicht die fadenscheinigen Begründungen der Polizei, wird in der Mailingliste noch gerätselt.

Warum z.B. die Webseite des Attentäters stillgelegt werden musste, ist - jedenfalls mir - unbegreiflich. Sucht die Polizei wirklich nach einem Komplizen, wie sie es vorgibt, dann ist es eher von Vorteil von einer Stilllegung einer Webseite abzusehen. Denn nur so kann festgestellt werden, ob sich ein eventuell vorhander Komplize wieder einloggt.

Wahrscheinlicher ist es m.E., dass der Inhalt des Abschiedsbriefes vertuscht werden soll. Bei Spiegel-Online war nur der folgende Auszug zu lesen: "Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin". Tatsächlich wirft dies aber ein völlig falsches Licht auf den Amokläufer, dessen Abschiedsbrief immerhin 3-4 (Din A4) Seiten umfasst. Der vollständige Abschiedsbrief ist z.B. unter www.mein-parteibuch.de zu lesen.

Jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, wie sehr das Spiegel-Online Zitat den Inhalt des Abschiedsbriefes verkürzt ja sogar verfälscht, wenn man den folgenden Auszug betrachtet:

Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe danach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen. Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das
sie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde.
Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen "Freunde". hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen in der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

Die Blogosphäre ist durch die Zensurmaßnahmen erzürnt und reagiert mit zahlreichen Veröffentlichungen. Man darf gespannt sein, wie lange die Ermittlungsbehörden den Traum der Informationshoheit noch träumen.

Kommentar(e)
Einzeltäter
Geschrieben von Gast am 2006-11-22 12:44:52
Das mit dem Komplizen trifft offenbar nicht zu. Jedenfalls spricht der Staatsanwalt in einem Interview von einem Einzeltäter.
Das böse Internet
Geschrieben von Ronald am 2006-11-22 12:46:55
Völlig lächerlich ist auch, dass wieder das Internet als  
das die Quelle allen Übels (z.B. in der 20.00 Uhr Tagesschau von gestern) dargestellt wird. Im oben verlinkten Spiele-Online Artikel ist zu lesen, dass die drei Schusswaffen des volljährigen Amokläufers ohnehin frei verkäuflich waren.
"Verdammt
Geschrieben von bgruen am 2006-11-22 13:49:05
wir hätten Dich doch noch so gebraucht ..."  
Nein nein, ich weiß, Bastian B. hat nichts, aber auch gar nichts mit Konstantin Weckers "Willi" zu tun, aber trotzdem will mir gerade diese Zeile nicht aus dem Kopf . 
Da hat einer sein Soma nicht nehmen wollen. Das macht ihn noch lange nicht zum Helden, nicht zum "guten Wilden" aus Huxleys schöner neuer Welt. Aber dass anstelle der Hintergründe dieses aggresiven Sich-Verweigerns einfach nur mal wieder "das böse Internet" und die "Killer-Spiele" von den Medien / Politikern verwurstet werden, sein Text aber, so weit überhaupt, nur reißerisch verstümmelt wiedergegeben wird, macht mich wütend. Sehr wütend. 
Hey, all ihr Soma-Verweigerer da draußen: wir brauchen Euch und Eure Wut - aber nicht diese selbstverliebten Egotrips.  
weitere Zensur
Geschrieben von Gast am 2006-11-22 18:00:32
Aus: Netrepater.net
 
"ie Kripo NRW scheint dazu überzugehen, die gespiegelten Sites mit dem Abschiedsbrief von Bastian Bosse zu sperren. Die Gründe sind mir unbekannt. Hier ein weiterer Mirror. Liegt jetzt lokal auf meiner Platte. Ich glaube kaum, dass man die Verbreitung dieses Abschiedsbriefes irgendwie unterbinden kann."
"Die ware mensch
Geschrieben von bgruen am 2006-11-27 20:49:29
ist nicht der wahre mensch!" 
Unbedingt lesenswert ist das, was in Schwerdtfegers Weblog zu diesem Thema steht. http://elias.horribile-dictu.de/

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