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Totgeschwiegene Stadtverordnetenversammlungen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ronald Woelfel   
Sonntag, 12 November 2006

Frank thematisiert in der Fuldaer Freiheit die fehlende Berichterstattung über die letzte Stadtverordnetenversammlung (30.10.2006). Wörtlich schreibt er (Auszug):

Nun mag der eine oder andere Leser die Darstellungen im FD-Wiki als einseitig ansehen. Leider gibt es kaum eine bessere Informationsquelle. Weder die Qualitätspresse aus dem Hause Parzeller, noch andere Online-Medien berichten so ausführlich und detailliert über diese Einrichtung der demokratischen Basis. Die Parteien selber berichten ebenfalls nicht und nutzen nicht die Möglichkeit einer Informationsweitergabe.

Die Frage, die sich mir (und hoffentlich nicht nur mir) hier stellt ist: warum berichten nicht andere Wählergruppierungen/Parteien von den Stadtverordnetensitzungen?


Zunächst einige Erklärungungen dafür, die in Wirklichkeit aber gar keine sind.

a) mangelnde (Internet-)Kompetenz?
b) zu großer Aufwand / zu hohe Kosten?
c) mangelndes Interesse der Wähler (daran)?

zu a)
Wohl kaum, denn das Einstellen der Pressemitteilungen bekommen die meisten Wählergruppierungen/Parteien ja auch in den Griff.

zu b)
Da Aufzeichnungen verboten sind, bleiben scheinbar nur Gedächtnisprotokolle, bzw.   mitgeschriebene Aufzeichnungen. Doch alle Stadtverordneten bekommen ein Protokoll der Veranstaltung zugeschickt. Damit könnten eigene Notizen abgeglichen und ergänzt werden.

zu c)
Dieser Punkt ist vielleicht nicht ganz auszuschließen. Doch besteht hier ein Henne/Ei-Problem: Wenn bei einem großen Teil der Bevölkerung kein Interesse besteht, dann auch deshalb, weil  auch die Wählergruppierungen/Parteien nicht darüber berichten. Für "nichts" kann man sich nicht interessieren.


Tatsächlich steckt m. E. dahinter keine bewusste Entscheidung der zuständigen Personen. Verantwortlich dafür ist in jedem Fall ein Zuständigkeitsdenken, demnach ist für die Berichterstattung von öffentlichen Veranstaltungen die Presse oder die Magistratspressestelle, aber in keinem Fall die eigene Partei selbst zuständig - auch, wenn die Informationen und die technischen Voraussetzungen vorhanden sind.

Entscheidender ist aber m.E. ein über Generationen verinnerlichtes Obrigkeitsdenken der Deutschen, die das allgemeine Amtsgeheimnis seit Friedrich dem Ersten, dem Vater des deutschen Berufsbeamtentums, kennen (vgl. u.g. Seminararbeit). Wer glaubt "das war damals überall so", irrt gewaltig, denn in Schweden gab es bereits 40 Jahre später (nämlich 1766) das erste Informationsfreiheitsgesetz! (vgl. Seite 1 u. 2 der u.g. Seminararbeit)

Die jüngere (deutsche) Geschichte - nämlich die Nazidiktatur - führte zu einer verschärften Form des Amtsgeheimnisses, Zuwiderhandlungen unter Strafe gestellt. Mit der Gründung der BRD wurde jedoch an dieser schlechten "Tradition" festgehalten. Im Artikel 33 des Grundgesetzes heißt es:
"Das Recht des öffentlichen Dienstes ist unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu regeln und fortzuentwickeln."

All dies prägt die Köpfe in Parteien und Politik bis heute. Äußerungen wie "da könnte ja jeder kommen" als Antwort auf meine Anfrage an die Stadt Fulda nach den Protokollen der öffentlichen (!) Stadtverordnetenversammlung, rühren genau daher. Obwohl dies natürlich nicht die Frage beantwortet, warum die gleiche Anfrage in anderen hessischen Städten völlig gegenteilig beantwortet wurde.

Die Verinnerlichung dieser Grundsätze führte übrigens auch dazu, dass die Einführung eines Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) so lange in Deutschland auf sich warten ließ. Wie der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss (SPD) in einem Vortrag auf einem CCC-Kongress darlegt, wurde es weniger von Politikern, als von Staatssekträteren und Beamten im Hintergrund torpediert.
Erst Anfang dieses Jahres war es dann in Deutschland soweit (zum Vergleich: Frankreich 1978, Großbritanien 2000, USA 1967, Kanada 1983, Estland 2001)

Quellen:

Akteneinsicht in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Akteneinsicht
Amtsgeheimnis und Informationsfreiheit im Wandel (Seminararbeit):
   http://www.psychotekk.de/~cloeser/Amtsgeheimnis_und_Informationsfreiheit.pdf
Vortrag von Jörg Tauss (SPD) auf dem 22C3 (=22. CCC Kongress) als Mp4-Datei (Videomitschnitt):  http://chaosradio.ccc.de/22c3_m4v_1084.html

 

 

 

Kommentar(e)
Eins noch dazu
Geschrieben von Gast am 2006-11-12 18:42:31
oft sehen sich Kommunen, Kreise, ja Länder gerne als "Konzerne" 
"Konzern Fulda" z.B., oder Konzern Hessen. 
Gut, dass können die, die es so wollen so haben : 
die Eigentümer sollten ihre Rechte wahrnehmen, d.h. entspr. ihre Recht wahrnehmen. 
Ich glaube, dann würden einige ganz dumm aus der Wäsche schauen, 
wenn eigentlich klar wird, wer die Kohle beibringt und bestimmt. 
Servicegedanke ? Ein Prozess ? Nein, sowas wird eingefordert werden. Missmanagement ? Ross und Reiter werden genannt und gefeuert, die Konsequenzen gezogen. 
HVs zur Rechenschaftslegung sind öfter als nur alle 4 Jahre.  
Wenn man es als "Konzern" will, dann soll man es auch so machen, und wenn dann richtig. 
Das kann dann z.B. auch eine Genossenschaft auf Aktien sein. 
Und nicht immer nur Steuersparkonstrukte wie GmbH & Co.KGs. 
Wie z.B. die Projektgesellschaft FD-Galerie. Oder GmbHs wie die ProCommunitas.  
Es darf auch mal was offenes sein.... 
Gruss Frank
Gelder für Öffentlichkeitsarbeit
Geschrieben von Gast am 2006-11-12 23:28:21
Den Hammer finde ich ja wirklich das die CDU in der Stadtverordnetenversammlung z.B. über 50000 u.a. für Öffentlichkeitsarbeit erhält. Die LINKE.Offene Liste dagegen keinen Cent, dies aber tatsächlich tut. 
 
Das kommt daher, weil ihr der Fraktionsstatus nicht zuerkannt wird und sich so die großen die Gelder selber einstecken.
naja, wie der FWG
Geschrieben von Gast am 2006-11-13 12:55:32
es gibt Geld, man darf aber sich nicht zur Wahl stellen. 
Hm. Tja, auch keine echte Alternative, oder ? 
Gruss Frank
Deal
Geschrieben von Gast am 2006-11-14 02:25:20
ich seh das auch schon so, dass die FWG mit dem Deal gekauft werden sollte, daß sie nicht bei Landtagswahl kandidieren. Denn die Freien Wähler sind potentielle Konkurrenten der Bürgerlichen sprich CDU, FDP... 
 
Da die LINKE.Offene Liste ja nicht zur Landtagswahl kandidiert müßte uns ja auch was aus dieser kommunalen Wahlkostenerstattung zustehn ;-) Aber das werden sie sicherlich zu verhindern suchen, denn wir wirbeln auch ohne Kohle schon ganz gewaltig Staub auf *freu*
Berichterstattung aus dem Stadtschloss
Geschrieben von Gast am 2006-11-26 18:39:01
Warum berichten nicht andere Wählergruppierungen/Parteien von den Stadtverordnetensitzungen? 
 
Vielleicht, weil die Parteien keine Verlage sind?! 
Was glaubt Ihr denn, was raus kommen würde, wenn 7 Parteien von der Stadtverordnetenversammlung berichten? 
 
Es wird 7 völlig verschiedene Berichte geben. 
 
Jeder Bericht wird genauso einseitig uns subjektiv sein, wie der der Linken. 
Jede Partei hat (mittlerweile) eine eigene Webseite, auf der auch Presseberichte zu lesen sind. 
Wenn der Parzeller Verlag (aus Desinteresse) nicht über die Stadtverordnetenversammlung berichten möchte, dann muss er das ja nicht tun. Ist schade aber wohl nicht zu ändern. 
Vielleicht könnte man aber anregen, dass der städt. Pressesprecher anhand des Protokolls einen zusammenfassenden Bericht ins Netz stellt?! 
 
Im übrigen ist die Stadtverordnetenversammlung für jeden Interessierten zugänglich. Also, warum dann nicht einfach hingehen, wenns interessiert und sich ein objektives Bild machen??? 
 
Berichterstattungen sollten immer objektiv sein, diesen Anspruch habe ich an an dieses (linke) Forum. 
 
Was das Desinteresse des Bürgers betrifft, so hat die Wahlbeteiligung im März gezeigt, wie weit es damit bestellt ist. Warum das so ist, steht aber auf einem anderen Blatt. MHC
Berichterstattung aus dem Stadtschloss
Geschrieben von Gast am 2006-11-27 20:38:24
> Es wird 7 völlig verschiedene Berichte geben 
Na und, was ist gegen 7 verschiedene Bericht zu sagen? Besser als keiner, oder? 
 
> Jeder Bericht wird genauso einseitig und  
> subjektiv sein, wie der der Linken. 
Hier antworte ich das gleiche: Besser 7 subjekte, als gar keiner oder? 
 
> Vielleicht könnte man aber anregen, dass der  
> städt. Pressesprecher anhand des Protokolls einen 
> zusammenfassenden Bericht ins Netz stellt?!  
Das ist eine TEAM-Frage. Team steht für Toll-Ein-Anderer-Machts. Nur zu, nur zu... 
 
> Im übrigen ist die Stadtverordnetenversammlung für 
> jeden Interessierten zugänglich. Also, warum dann  
> nicht einfach hingehen, wenns interessiert und sich 
> ein objektives Bild machen???  
Der eine oder andere der hier (Beautifulda) mitliest, war wahrscheinlich schon bei einer Stadtverordnetensitzung. Allerdings muss man auch sagen, dass nicht jeder sich seine Zeit frei einteilen kann. 
 

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