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Dietzel äußert Kapitalismuskritik in Fulda PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ronald Wölfel   
Donnerstag, 07 September 2006
DAU steht in der Computerwelt eigentlich für den dümmsten anzunehmenden User. Seit Wilhelm Dietzel I von Hessen, steht DAU jedoch für den dümmsten anzunehmenden Umweltminister.

Beim gestrigen Symposium des Wirtschaftrates der CDU im Antoniusheim warnte er vor der Geiz-ist-Geil Mentalität. Zitiert wird er im FZ-Bericht wie folgt:
Solange diese [RW: gemeint ist die Geiz-ist-Geil Mentalität] noch vorherrscht, können Skandale wie die Gammelfleischaffäre weiterhin vorkommen.


Vielleicht sollte dem Minister jemand vom Wirtschaftsrat einen Tipp geben: Das in Deutschland vorherrschende Wirtschaftssystem ist die Marktwirtschaft. Sinn und Zweck - so die Theorie - ist, dass sich über Angebot und Nachfrage der Preis findet. Nicht ganz unwesentlich ist auch die Tatsache, dass das Tauschmittel (Geld) niemandem in unbegrenzten Umfange zur Verfügung steht.

Für einen Mindeststandard an Qualität bei "sensiblen Waren" sorgen Normen, Verordnungen und Gesetze, das ist nichts Neues. Fordert man jetzt aber die Verbraucher dazu auf, etwas mehr auszugeben, als es das Gesetz von Angebot und Nachfrage verlangt, so ist dies das Eingeständnis, dass offenbar die Gesetze des freien Marktes nicht greifen, oder in anderen Worten: pure Kapitalismuskritik!

Mit der Dietzel-Logik ließe sich auch die Schuld eines Auffahrunfalles, der auf eine nicht funktionierende Bremse eines VW-Polos zurückzuführen ist, gut auf den Fahrer abwälzen. Denn, so die Dietzel-Doktrin: Warum hat sich der Geizkragen nicht gleich einen Mercedes gekauft?

"Etwas mehr" auszugeben wird von vielen - leider auch von Umweltgruppen - zur Allheil-Methode erklärt und der schwarze Peter damit den Verbrauchern zugeschoben. Fragt sich nur, ob dies dann für alle Bevölkerungsschichten gelten soll.  Wenn ja, dann sollte den Hartz IV Empfängern konsequenterweise eine Fleischbei- bzw. zulage vergönnt werden.

Oder sind Hartz IV Betroffene von dieser "der Verbraucher ist selbst schuld"-Doktrin etwa ausgenommen? Dürfen sie etwa die Suppe auslöffeln respektive das Gammelfleisch auskosten? Das wäre dann allerdings ein Fall für das Hartz4All-Weblog.


Kommentar(e)
Auf den Preis achten
Geschrieben von bgruen am 2006-09-07 23:29:57
soll der Verbraucher, jawoll. Bei Lebensmitteln muss es teuer sein, bei Arzneimitteln billig. Weil: da muss ja erst noch die seligmachende freie Marktwirtschaft richtig eingeführt werden. Bislang versuchte man über dutzende von gesetze und Verordnungen, nicht nur das Verordnungsverhalten der Ärzte, sondern auch das Preisbewusstsein der Versicherten zu beeinflussen. 
Denn was wissen die klammen kranken Kassen und alle Werbung schauenden Verbraucher? "Da gibts doch was von ...pharm".  
Hier ist offensichtlich, dass ein niedriger Preis keine Qualitätseinbuße bedeutet. Damit wird im wahrsten Sinne des Wortes gerechnet - was denn nun? Bei Lebensmitteln garantiert mir der höhere Preis angeblich Qualität und bei Medikamenten sagen die Experten: Das gibts heute von der XY-Firma, ist das gleiche wie das, was Sie immer hatten, aber preiswerter. Und dann müssen Sie auch nichts zuzahlen.  
 
Was, wenn sich jetzt die Versicherten querstellen und die (völlig zu Unrecht) so genannte Billig-Medizin verweigern? Lieber Gebühren und Aufzahlungen leisten, um das vermeintlich "Bessere" zu bekommen? Liebe Leute, dann sind mindestens zwei bisherige und eine zukünftige "Gesundheitsreform" völlig für die Katz gewesen und es wird sein ein Jammern und Wehklagen, ein Kopfschütteln der Experten und Politiker ob so viel Dummheit des "homo oeconomicus". 
Was den immer weiter fortschreitenden Einzug 
der seligmachenden Marktwirtschaft zum Zwecke der Kostendämfung im Gesundheitswesen betrifft: Pech für den, der mit seiner Erkrankung in eine Marktlücke fällt und auf Medikamente angewiesen ist, die zum Ausgleich  
für die Preissenkungen und Rabatte auf die Allerweltsmittel dann erst recht zu horrenden Fantasie-Preisen gehandelt werden.  
Dass diese Zeche der gesetzlich Versicherte - auch der Gesunde - zahlt, dämmert wohl jedem angesichts der anstehenden Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen. 
 
So wird sich denn die Gesellschaft weiter teilen - jene, die sich eine private Zusatzversicherung, 
Ökofleisch und Bio-Lebensmittel leisten werden (müssen), die "bewussten Verbraucher" also - und jene, die einfach nur Verbraucher  
sein können, weil zur Praktizierung des hehren Bewusstseins die Mittel fehlen. Und das Schöne ist ja: Gefeit vor Betrug und schlechter Qualität sind beide Gruppen nicht.

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