Sadistisches Landesamt Hessen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ronald Wölfel   
Montag, 21 August 2006

In der Freitagsausgabe der Fuldaer Zeitung (18.08.2006) geht es im Hessen-Teil auf Seite 4 um die Innovationskraft des Landes Hessen. Die Überschrift lautete "Viele Erfindungen im Süden", Unterüberschrift: "Land liegt mit seiner Innovationskraft bundesweit auf Platz drei".

Hintergrund ist eine Studie des statistischen Landesamtes in Wiesbaden in der es um Innovationskraft geht. Die Ergebnisse wurden in einer Pressemappe, genannt Innovationsmotor 2006, zusammengefasst.

Natürlich benötigen Statistiker messbare Größen, wenn es um Studien geht. In dieser Studie wurde die Realität mangels verlässlicher Kennzahlen schmerzlichst gekürzt, gequält und unterdrückt. Gemessen wurden: Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F.u.E.), Anzahl der Patentanmeldungen und Daten rund um die in F.u.E. beschäftigten Personen.


In der dazugehörigen Presseerklärung des Landesamtes heißt es z.B.:

[...]Auch bei den Patentanmeldungen - jenem Indikator, der einen Hinweis auf die Effektivität von FuE-Investition gibt - dominierte der...

Hier ist das Messproblem gut zu erkennen. Ausgaben der Betriebe und Anzahl der Forscher lassen sich leicht messen. Erfindungsgeist und Innovationskraft dagegen versucht man über die Anzahl der angemeldeten Patente zu fassen. Im Umkehrschluss: Firmen ohne eigene FuE-Abteilung sind nicht innovativ tätig und jede Patentanmeldung ist gleichbedeutend mit einer Innovation.

Patentanmeldungen als qualitativen Faktor heranzuziehen ist beinahe lächerlich. Gerade die Mitarbeiter des Europäischen Patentamtes haben ein großes Interesse daran, die eingereichten Patente nicht abzuweisen. Denn dies träfe die Mitarbeiter des Patentamtes selbst. Jedes geprüfte und angenommene Patent wirkt sich nämlich direkt über ein Bonussystem auf den Verdienst eines Patentprüfers aus. Im Falle von fehlender Erfindungshöhe oder nicht erkennbarer gewerblicher Anwendungsmöglichkeit geben die Prüfer im eigenen Interesse Tipps, wie die Anmeldung abzuändern ist, damit das Patent dennoch gewährt werden kann.

Henne-Ei Problem

Was war zuerst da Innovation und dann konsequenterweise der Markterfolg? Oder ist es nicht umgekehrt? Hier ein Ausschnitt aus "Die Lobbyschlacht um Softwarepatente" von Florian Müller, in dem ein Patentexperte zu Worte kommt:

Die Patentbefürworter verweisen gerne auf Statistiken, wonach die Länder mit der höchsten Zahl von Patenten auf einem bestimmten Gebiet üblicherweise auch Heimat der jeweiligen Weltmarktführer sind. Jim [Anmerkung RW: Jim ist James Bessen, der zusammen mit einem leitenden Volkswirt der Federal Reserve Bank of Philadelphia eine Studie zu Patenten und deren Einfluss auf die Innovation verfasst hat] bestätigte diese Korrelation, hob aber hervor, dass eine Korrelation nicht mit einer Kausalität zu verwechseln ist. Die Patentlobbyisten tun so, als ob das Vorhandensein von vielen Patenten die Ursache für die Präsenz der Marktführer wäre. Bei näherer Betrachtung stellt sich das Gegenteil heraus: Die marktführenden Anbieter haben ein Interesse daran, ihre Marktposition mittels Patenten zu zementieren.

Tatsächlich sind Patente also oft das Gegenteil: eine Innovationsbremse. Was als Anreizsystem für neue Erfindungen gedacht war, wird zur Behinderung für kleine und mittelständische Unternehmen.

Was die FZ verschweigt: Die Pressemeldung berichtet, dass der Vogelsbergkreis "äußerst innovationsschwach" ist und dort sogar "keine FuE-Potenziale" nachweisbar sind. 

Das 380 Seiten starke Buch "Die Lobbyschlacht um Softwarepatente" von Florian Müller ist hier online als PDF verfügbar.

Kommentar(e)

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.

Powered by AkoComment 2.0!

 


 

 
< zurück   weiter >